Projektwoche an der Oberstufe Zurzach
(ae) Die Stimmung im Gemeindezentrum ist aufgeheizt. «Und wie soll gesichert werden, dass die Schüler sich daran halten?» – «Was war denn eigentlich der Hintergrund für diese Idee?» – «Wäre es nicht sinnvoller, wenn einfach alle aufeinander schauen?». Immer wieder tauchen neue Wortmeldungen auf, die teils kritisch, teils fragend, teils zustimmend und mal ernst, mal humoristisch angehaucht Stellung nehmen. Es geht um zwei grosse Überlegungen hinsichtlich des Pumptracks, die heute in der Gemeindeversammlung auf der Traktandenliste stehen: Eine Einschränkung der Öffnungszeiten sowie die Einführung von Blockzeiten für Velos auf der einen und Scooter auf der anderen Seite.
Eines aber war in dieser Sitzung anders als sonst: Die Abstimmenden waren nicht Erwachsene, sondern die beinahe 280 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe Zurzach, für die der Gemeinderat am Mittwoch der vergangenen Woche eine fiktive Versammlung inklusive Abstimmung einberufen hat.
Mitbestimmung erleben
Beginnend mit der Vorstellung der Gemeinderatsmitglieder sowie der Aufgaben des Gemeinderats führte Gemeindeammann Andi Meier die Jugendlichen durch die Sitzung, informierte über das Gemeindegebiet, wichtige Fakten über Zurzach und vieles mehr. Höhepunkt der Versammlung war für die Jugendlichen, dass sie selbst miterleben und fühlen konnten, wie sich Mitbestimmung in einer Gesellschaft anfühlt: Vom Antrag über die Diskussion bis zur Abstimmung, die in diesem Fall bei beiden Traktanden in einem klaren «Nein» der grossen Mehrheit resultierte.
Im Anschluss daran gab es die Möglichkeit, Ideen, Kritik und Anregungen anzubringen – ein Angebot, das die Anwesenden rege mit mal mehr, mal weniger realistischen Ideen, aber durchwegs dankbar und engagiert annahmen, und welche vom Gemeinderat notiert wurden.
Entdecke Zurzach! Von der Idee bis zur Umsetzung
Die Gemeindeversammlung war für die Jugendlichen ein Teil ihrer fünftägigen Projektwoche. Deren Planung stellte in diesem Jahr die Lehrerinnen und Lehrer vor eine ungewöhnliche Herausforderung: Sollte es doch vor dem Hintergrund der Gemeindefusion dieses Mal etwas ganz Besonderes sein.
Angefangen Ende der Sommerferien mit ersten Diskussionen unter dem Arbeitstitel «Entdecke Zurzach» und sich langsam füllenden Ideenplakaten im Lehrerzimmer über wöchentliche Treffen in Kleingruppen bis zur Umsetzung verging ein ganzes Quartal, in dem Pläne geschmiedet, Exkursionen in die umliegenden Ortschaften gemacht, recherchiert und Vereine kontaktiert wurden, um für die Schülerschaft ein Programm zu bieten, das im Gedächtnis bleibt: Mit dem Ziel, ihnen die Vielfalt der Region zu zeigen, sie ihren Lebensort kennen und lieben zu lehren, sie mit der Region zu verwurzeln.
Mut beweisen und Theater spielen
Einen lehrreichen und vielseitigen Tag erlebte man mit der Gruppe «Kaiserstuhl/Mellikon/Wislikofen». Dort lernten die jungen Erwachsenen an einem Posten im Turm die Bedeutung des Begriffes «steinreich» kennen. Sie erfuhren auch, was es mit dem «süssen Winkel» auf sich hatte, hörten über den verheerenden Brand in Kaisersuhl, erhielten Informationen über den Brückenheiligen Nepomuk, den einige Jugendliche wenige Tage später – stolz auf ihre neuen Erkenntnisse – prompt in der Propstei von Klingnau wiedererkannten. Im ehemaligen Amtshaus des Klosters St. Blasien konnten die Jugendlichen unter der Anleitung des Kellertheaters Kaiserbühne beim Improtheater und verschiedenen Übungen erste Bühnenerfahrung sammeln.
Als ein weiteres Highlight des Tages durften sie ihren Mut beim Schloss Rötteln beweisen, wo sie auf dem schmalen Steg am Rhein entlang gingen. Mit dem Zug ging es dann weiter nach Mellikon und von dort zu Fuss am Tägerbach entlang durch den «Chessel» nach Wislikofen, wo man sich mit einer warmen Suppe im Gewölbekeller stärkte. Den Abschluss bildete eine Führung durch die dortige Propstei.
Digitale Schnitzeljagd
Bewegt ging es in der Gruppe «Klingnau/Koblenz» zu. In Form von zwei Actionbounds, einer digitalen Schnitzeljagd, wurden die Gegend am Stausee entlang bis zum Kraftwerk sowie diverse Sehenswürdigkeiten des Städtlis wie die Propstei oder das Schloss erkundet. Punkte sammeln konnte dabei, wer Fragen zur Geschichte und Natur der Region korrekt beantwortete, die versteckten QR-Codes unterwegs entdeckte sowie sich sportlichen (Liegestützwettbewerb), musikalischen (Melodien auf Glasflaschen nachspielen) oder humorvollen Herausforderungen (Silly Walk) stellte. Den Gewinnerteams winkte eine klingnauer Spezialität aus Schokolade. Wenn zwischendrin die Orientierung nicht auf Anhieb glückte, zeigten sich die Anwohnerinnen und Anwohner aus Klingnau gern hilfsbereit und gaben dem einen oder anderen sogar zusätzliche Informationen über das schöne Städtchen.
Junge Forschende
Die Regionen Zurzach und Rietheim wurden in zwei Etappen erarbeitet: Hier wurde Boule gespielt und sich im Orientierungslauf geübt, im Zuge dessen man unter anderem die Stufen im Zurziturm zählte und ein Online-Kreuzworträtsel zur Verenasage löste. Zudem gab es kleine, leicht verdauliche Wissenshäppchen («Learningsnacks») und Rechercheaufgaben über den Kurpark und das Schloss. Auch in Rietheim ging es derweil wissenschaftlich zu: Nach einer lehrreichen Führung durch die Aue beobachteten die Jugendlichen mit Hilfe von Feldstechern Vögel in der Ferne, hielten nach Biberspuren Ausschau und untersuchten mittels kleiner Experimente die Wasserqualität des Rheins.
Spiel und Wettbewerb
Im Anschluss an eine Schnitzeljagd durch Rekingen mit Quiz-, Schätz- und Scherzfragen spazierten die Jugendlichen in der Gruppe «Rekingen/Baldingen/Böbikon» zum Spornegg. Den ganzen Tag wetteiferten die Jugendlichen mit verschiedenen Spielchen darum, wer den höchsten Klötzchenturm bauen könne, wer am besten im Zielschiessen, im Frisbee-Golf oder mit der Schokokussschleuder war.
Diese Tage voller Entdeckungen, Sport und Wettbewerb brachte Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler sowohl untereinander als auch mit ihrer Heimat ein Stück weit näher zusammen. Die Oberstufe Zurzach dankt dem Gemeinderat für die umfassende und vielfältige Unterstützung in der Projektwoche.